Unter einem Kontokorrentkredit versteht man einen Überziehungsrahmen, der für das Girokonto eingerichtet wird. Andere übliche Bezeichnungen sind Dispositionskredit oder kurz Dispokredit. Ein Kontokorrentkredit soll dem Kontoinhaber maximale Flexibilität geben, um einen finanziellen Engpass vorübergehend zu überbrücken. Obwohl der Kontokorrentkredit in der Regel unbefristet gewährt wird, ist er für eine langfristige Finanzierung nicht geeignet. Dazu ist diese Kreditform schlicht zu teuer. Was also muss man als Kontoinhaber zum Kontokorrentkredit wissen?

Was ist ein Kontokorrentkredit?

Der Kontokorrentkredit ist an ein Girokonto gekoppelt. Er besteht aus einem Überziehungsrahmen, den die Bank für den Kontoinhaber einräumt. Der Bankkunde darf jederzeit über diesen Kreditrahmen verfügen, ohne die Bank um Erlaubnis zu fragen. Auch eine Anmeldung der Überziehung ist nicht erforderlich. Damit gewährt man dem Kontoinhaber eine hohe Flexibilität, wenn am Monatsende einmal eine überraschende Rechnung zu zahlen ist und noch kein neuer Gehaltseingang vorhanden ist. Solche Rechnungen können dann im Rahmen des Überziehungslimits bezahlt werden. Die Rückzahlung des Kontokorrentkredits erfolgt ebenso flexibel wie die Inanspruchnahme. Schon mit dem Eingang des nächsten Gehalts kann der Kredit zurückgeführt werden, der Kreditnehmer kann sich aber auch länger dafür Zeit nehmen. Im Prinzip kann dieser Kredit über einen sehr langen Zeitraum beansprucht werden. In der Praxis sieht das dann so aus, dass ein Konto bis zur maximalen Höhe des Kreditrahmens überzogen ist. Das sollte aber nur im Einzelfall geschehen, denn für eine langfristige Finanzierung ist dieser Kredit nicht gedacht.

Wer darf einen Kontokorrentkredit aufnehmen?

Da dieser Kredit an ein Girokonto geknüpft ist, wird er vom Kontoinhaber in Anspruch genommen. In der Regel ist der Kontoinhaber voll geschäftsfähig, das heißt, er hat das 18. Lebensjahr vollendet. Auch Auszubildende oder Studenten können ein Girokonto mit einem Überziehungsrahmen eröffnen. Allerdings wird die Bank dann meist sehr genau auf die Höhe des Kreditrahmens achten und diesen nur so bemessen, dass er sicher von dem jungen Kontoinhaber zurückgezahlt werden kann. Wichtigste Voraussetzung für die Freigabe eines Kontokorrentkredit ist eine einwandfreie Bonität. Das heißt, der Kontoinhaber muss ein regelmäßiges Einkommen haben und im Idealfall in einem unbefristeten Arbeitsverhältnis stehen. Außerdem dürfen keine negativen Einträge beim Kreditschutzverband (KSV) vorliegen. Sie lassen darauf schließen, dass der Kontoinhaber seine finanzielle Situation nicht unter Kontrolle hat und seine Verbindlichkeiten nicht zuverlässig zurückzahlen kann. Wenn also zum Beispiel ein Mahnverfahren gegen den Kontoinhaber läuft und dieses Verfahren beim KSV eingetragen ist, ist die Gefahr groß, dass kein Kontokorrentkredit eingerichtet wird. In diesem Fall ist die Gefahr für die Bank zu groß, dass der Kredit nach der Inanspruchnahme nicht zurückgeführt wird.

Was geschieht bei einer schwachen Bonität?

Sofern die Bank keinen Überziehungsrahmen einräumt, kann das Konto trotzdem eröffnet und für Ein- und Auszahlungen und zur Abhebung von Bargeld genutzt werden. Das ist möglich, weil ein Girokonto auf Guthabenbasis geführt werden kann. Der Kontoinhaber kann in diesem Fall so lange Geld abheben und Auszahlungen tätigen, wie auf dem Konto ein Guthaben vorhanden ist. Dieses Guthaben darf durch Einzahlungen auch wieder aufgefüllt werden. Es ist lediglich nicht zulässig, das Konto zu überziehen. Die Bank lässt dann Überweisungen zurückgehen, wenn das Guthaben erschöpft ist und nicht zur Bezahlung ausreicht. Während also ein Girokonto für einen Kontokorrentkredit zwingend erforderlich ist, besteht dieser Zusammenhang umgekehrt nicht: Ein Girokonto kann sehr gut ohne Überziehungskredit geführt werden. Bei der Einrichtung dieses Kredits handelt es sich somit um eine Kulanzleistung der Bank, die bei ausreichender Bonität in der Regel gewährt wird.

Was passiert, wenn der Kredit ausgereizt ist?

Sofern der Kontokorrentkredit in vollem Umfang in Anspruch genommen ist, muss er erst wieder ganz oder teilweise zurückgezahlt werden, bevor er erneut genutzt wird. Ist das Konto bis zur genehmigten Höhe überzogen, führt die Bank keine weiteren Auszahlungen oder Überweisungen mehr durch, und auch die Abhebung von Bargeld ist nicht möglich. Das geschieht zum Schutz der Bank und des Kunden selbst, um zu gewährleisten, dass der beanspruchte Kreditrahmen nur so hoch ist, dass er sicher zurückgezahlt werden kann. Würde die Bank Überweisungen oder Auszahlungen auch dann durchführen, wenn der Kreditrahmen bereits erschöpft ist, wäre das Konto bald in einer Größenordnung überzogen, die der Kontoinhaber kaum noch zurückzahlen kann. Um den Kunden vor dem massiven Aufbau von Verbindlichkeiten und vor einer Überschuldung zu schützen, werden deshalb keine Zahlungen mehr ausgeführt, wenn der Dispositionskredit ausgereizt ist. Einige Banken räumen auf den Dispokredit noch einen geringen Aufschlag ein, der ebenfalls in Anspruch genommen werden kann. Wenn also der Dispokredit beispielsweise 3.000 Euro ausmacht, kann ein weiterer Rahmen von 100 Euro abgesteckt werden, der zusätzlich beansprucht werden kann. Man spricht dann von einem Überziehungskredit. Der gesamte Überziehungsrahmen für das Konto liegt dann bei 3.100 Euro. Allerdings werden Überziehungskredite nicht von allen Banken angeboten. Außerdem ist ein Überziehungskredit noch teurer als ein Kontokorrentkredit und sollte deshalb nicht oder nur kurzfristig genutzt werden.

In welcher Höhe wird ein Kontokorrentkredit genehmigt?

Die Höhe des Kreditrahmens hängt meistens von der Bonität des Kreditnehmers ab. Üblicherweise räumt eine Bank einen Kontokorrentkredit über zwei bis drei Monatseinkommen ein. In dieser Höhe darf das Konto dann überzogen werden. Das gilt bei Kunden mit einem regelmäßigen Einkommen und einem unbefristeten Arbeitsverhältnis. Bei einem sehr jungen Kontoinhaber, bei einem Auszubildenden, einem Studenten oder auch bei einem Arbeitslosen oder einem Rentner wird der Disporahmen häufig weitaus geringer freigegeben, um die Rückzahlung nicht zu gefährden und um die Höhe der Zinszahlungen zu begrenzen. Bei einem Kontoinhaber mit einem sehr hohen Einkommen kann dagegen auch ein höherer Disporahmen gewährt werden, denn die Wahrscheinlichkeit ist dann recht hoch, dass der Kredit trotzdem zuverlässig zurückgezahlt wird. Letztlich liegt es also im Ermessen der Bank, in welcher Höhe sie den Kredit gewährt, wobei sie bei der Beurteilung des Kreditrahmens auf die Bonität des Kreditnehmers abstellt. Wer seinen Kreditrahmen reduzieren will, kann das nach Rücksprache mit der Bank übrigens jederzeit tun. Führt man einen Onlineaccount, ist die Beantragung sogar im Internet möglich. Voraussetzung ist lediglich, dass das Konto nicht über den neuen Kreditrahmen hinaus beansprucht ist. Wenn das der Fall ist, muss dieser Betrag zunächst zurückgezahlt werden, bevor die neue geringere Kreditlinie eingeräumt wird.

Was ist zu tun, wenn das Konto dauerhaft überzogen ist?

Viele Kreditnehmer haben das Problem, ihren Dispokredit dauerhaft zu überziehen. Es ist dann kaum noch möglich, den beanspruchen Kontokorrentkredit aus den vorhandenen regelmäßigen Geldeingängen zurückzuzahlen. Wenn sich diese Situation abzeichnet, schlägt die Bank in der Regel eine Umwandlung des Dispokredits in einen klassischen Ratenkredit vor. Mit Hilfe des Ratenkredits wird der überzogene Rahmen zunächst ausgeglichen. Der Ratenkredit wird dann in regelmäßigen Monatsraten zurückgezahlt. Der Vorteil für den Kontoinhaber ist, dass ein Ratenkredit viel preiswerter ist als ein Kontokorrentkredit. Die Zinsen für Konsum- oder Ratenkredite sind nämlich traditionell deutlich geringer als für einen Dispokredit. Der genehmigte Kreditrahmen kann in diesem Fall weiter erhalten bleiben, so dass kurzfristige Überziehungen möglich sind. Sowohl der Bankkunde als auch die Bank können aber auch darauf drängen, den Überziehungsrahmen zu reduzieren, um eine erneute Verschuldung des Kreditnehmers zu unterbinden. Mit der Ablösung des Dispokredits durch einen Ratenkredit spart der Kontoinhaber in jedem Fall erheblich an Zinsen, denn der Kontokorrentkredit ist ein sehr teurer Kredit mit hohen Zinsen.

Wie findet man einen günstigen Kredit?

Bei einem Kontokorrentkredit gilt die gleiche Empfehlung wie bei jeder anderen Finanzierung: Wer einen Kredit mit niedrigen Zinsen sucht, muss die Banken vergleichen. Da der Kontokorrentkredit an ein Girokonto gebunden ist, muss der Kreditnehmer bei einem Wechsel auch das Konto und häufig sogar die Bank wechseln. Das ist relativ zeitaufwändig, weil alle Abbuchungen auf die neue Kontoverbindung umgestellt werden müssen und weil alle Vertragspartner informiert werden müssen. Trotzdem kann es sich vor allem für Kreditnehmer lohnen, ihre Bank zu wechseln, wenn sie den Kontokorrentkredit regelmäßig im großen Stil beanspruchen. Wenn der Zins der neuen Bank dann erheblich günstiger ist als der Zins des alten Anbieters, spart der Kreditnehmer dadurch Jahr für Jahr bares Geld. Ein einmaliger Anbieterwechsel ist also durchaus in Erwägung zu ziehen, wenn man auf ein hohes Kreditvolumen angewiesen ist. Eine Bank mit günstigen Zinsen findet man leicht durch einen Onlinevergleich, wobei man vorrangig auf die Kosten für den Überziehungsrahmen – den sogenannten Dispozins – achtet. Natürlich sollte man auch alle anderen Konditionen wie Kontoführungsgebühren und die Kosten für Maestro- und Kreditkarten im Auge behalten, bevor man sich für eine neue Bank mit niedrigen Dispozinsen entscheidet.

Der Kontokorrentkredit ist also als kurzfristiger Kredit gedacht, der dem Kreditnehmer eine maximale Flexibilität geben soll. Er ist ein verhältnismäßig teurer Kredit. Wer ihn regelmäßig mit einem hohen Rahmen nutzt, sollte sich für eine Bank entscheiden, die ein Girokonto mit einem geringen Dispozins anbietet. Das sind in der Regel die Onlinebanken, die für die Führung des Girokontos einen Account im Internet eröffnen. Der Kontoinhaber führt dann alle Überweisungen online durch und hat jederzeit Zugriff auf den Kontostand, um seine Bankgeschäfte so flexibel wie möglich abzuwickeln.

Quellen und weitere Infos:

https://www.finanz.at/kredit/kontokorrentkredit/
https://www.finanzratgeber.at/kredit/kontokorrentkredit/

Der Kontokorrentkredit: Alles, was Verbraucher wissen müssen
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