Der Sprung in die Selbständigkeit ist mit einigen Risiken behaftet. Meist weiß man am Anfang noch nicht genau, ob die eigene Geschäftsidee funktioniert und ob die Nachfrage am Markt so groß ist, wie man annimmt. Ist die Existenzgründung mit einem hohen finanziellen Aufwand und größeren Investitionen verbunden, stellt sich die Frage, woher das Geld kommen soll. In Österreich gibt es einige Kredite und Förderprogramme, die speziell für die besonderen Bedürfnisse von Gründern entwickelt wurden. Wer sie kennt und nutzt, kann sich mindestens aus finanzieller Sicht die erste Phase nach der Gründung sehr erleichtern.

Was ist ein Startkredit für Gründer?

Unter einem Kredit für Existenzgründer versteht man zinsgünstige Kredite, die auf die speziellen Bedürfnisse von angehenden Selbständigen und Jungunternehmern zugeschnitten sind. In den ersten Monaten nach der Gründung fließen die Einnahmen vermutlich noch nicht regelmäßig und in unterschiedlicher Höhe. Das macht es schwierig, sich auf genaue Modalitäten zur Rückzahlung einzulassen. Deshalb möchten viele Gründer eine tilgungsfreie Anlaufzeit nutzen und erst nach einigen Jahren mit der Rückführung des Geldes beginnen. Niedrige Zinsen sind besonders interessant für Jungunternehmer, weil sie für die Kosten der Finanzierung stehen. Vor diesem Hintergrund ist das Interesse von Jungunternehmern an solchen Krediten recht hoch. Trotzdem kennen viele angehende Selbständige die Möglichkeiten nicht, auf die sie unter bestimmten Umständen Anspruch haben. Deshalb lohnt es sich, wenn man sich genauer mit diesem Thema beschäftigt. So ergibt sich vielleicht eine Geldquelle zu attraktiven Konditionen, mit der man zunächst nicht gerechnet hat und die den Start in die Selbständigkeit erheblich vereinfacht. Typische Startkredite für Gründer sind zur Finanzierung von Betriebsmitteln und anderen Investitionen gedacht, die zum Start mit dem eigenen Unternehmen erforderlich sind. Finanziert werden meist Summen zwischen 1.000 Euro und 100.000 Euro. Um den Gründern die Anfangsphase zu erleichtern, sind für diese Kredite für einen gewissen Zeitraum keine Tilgungen vorgesehen.

Welche Regeln gelten für Mikrokredite?

In Deutschland ist die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) ein wichtiger Ansprechpartner für Gründer, die eine attraktive Finanzierung suchen oder die ein Förderprogramm in Anspruch nehmen wollen. In Österreich übernimmt das Bundesministerium für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz (BMASK) diese Förderung. Dazu wird ein Mikrokredit gewährt. Der Mikrokredit wurde speziell für Selbständige entwickelt, die wenig Chancen haben, einen klassischen Kredit bei einer Bank zu bekommen, weil dazu das nötige Eigenkapital oder die Sicherheiten fehlen. Der Mikrokredit kann bei verschiedenen Einrichtungen beantragt werden. Er wird durch die Förderinitiative vergeben, deshalb ist die Beantragung an strenge Formalien gebunden. Voraussetzung für die Genehmigung ist zum Beispiel die Beendigung der Arbeitslosigkeit, der drohende Arbeitsplatzverlust oder bestehende Armut. Außerdem darf der Kreditnehmer keine Möglichkeiten haben, auf anderen Wegen an einen klassischen Kredit zu kommen. Die Kreditsumme ist auf 12.500 Euro beschränkt. An eine Personengesellschaft werden höchstens 25.000 Euro an Kredit vergeben. Die Laufzeit wird meistens mit fünf Jahren angenommen. Der Kredit selbst muss für eine Investition in das Unternehmen aufgewendet werden, die Förderinitiative verlangt für die Verwendung einen Nachweis. Wer den Mikrokredit aufnehmen will, muss sich auf der Onlineplattform registrieren. Dabei prüft man, ob man berechtigt ist, den Antrag zu stellen. Der Antrag selbst wird dann mit dem Business Plan bei der Förderstelle vorgelegt. Im Rahmen der Prüfung darf das Konzept einer Expertenkommission vorgestellt werden. Sofern sie überzeugt ist, geht der Antrag zur endgültigen Genehmigung an die Entscheider weiter. Von dort werden unter Umständen noch Änderungen des Konzepts verlangt. Erst danach wird der Förderung zugestimmt oder nicht.

Was versteht man unter Förderungen?

Neben den klassischen Startkrediten gibt es auch eine Förderprogramme. Sie sind zu unterscheiden nach Förderdarlehen und nach Zuschüssen. Zuschüsse sind finanzielle Mittel, die man nicht zurückzahlen muss. Solche Programme sind sehr beliebt, und die Nachfrage ist entsprechend groß. Auch die Anforderungen an den Gründer sind recht hoch. Die Zuschüsse sind in der Höhe überschaubar, können aber trotzdem eine wichtige Unterstützung bei der Gründung sein. Je besser man sich zu einem Förderprogramm und den geltenden Voraussetzungen informiert, desto besser sind die Chancen, dass man diese Förderung tatsächlich bekommt.

Welche Förderungen gewährt der AWS?

Ein wichtiger Partner für Österreicher ist der Austria Wirtschaftsservice. Er ist der erste Ansprechpartner für Gründer aus Österreich, die ein Förderprogramm suchen. Der Austria Wirtschaftsservice ist die Förderbank des Bundes, sie unterstützt Gründer und Start-ups durch einen Fonds. Die größten Fonds sind der erp-Fonds, der Gründerfonds und der Mittelstandsfonds. Über diese Fonds werden unterschiedliche Förderungen bereitgestellt. Unter dem erp-Kleinkredit versteht man einen Förderkredit für Modernisierungs- oder Erweiterungsinvestitionen. Auch der Aufbau einer neuen Dienstleistung oder eines Geschäftsfelds ist damit zu finanzieren, ebenso eine deutliche Erweiterung von bereits bestehenden Geschäftsfeldern. Der erp-Kleinkredit wird zu einem günstigen Zins gewährt. Die finanzierte Investition muss sich in der Bilanz des Unternehmens aktivieren lassen. Es kann sich um materielle und immaterielle Investitionen handeln. Der Kreditrahmen liegt zwischen 10.000 Euro und 100.000 Euro. Wer ein kleines Unternehmen aufbaut, interessiert sich vielleicht für den Jungunternehmer-Scheck. Dabei handelt es sich um eine Zuschussförderung über 1.000 Euro, sie muss nicht zurückgezahlt werden. Die Beantragung kommt in Frage, wenn ein Betrieb neu gegründet wird oder wenn ein Unternehmen übernommen werden soll, dass höchstens drei Jahre alt ist. Gefördert werden Investitionen, die in der Bilanz als Aktiva aufgeführt werden oder für geringwertige Wirtschaftsgüter. Eine weitere Voraussetzung ist, dass das Unternehmen selbst eine Summe zwischen 5.000 Euro und 20.000 Euro investiert. Die Jungunternehmer Topprämie wird gewährt, wenn ein Unternehmen selbst mindestens 100.000 Euro investiert. Im Rahmen der Topprämie wird dann ein Zuschuss von zehn Prozent des investierten Betrags gezahlt, der Maximalbetrag liegt bei 30.000 Euro. Die „Garantie für junge Unternehmen“ ist ein weiteres Instrument zur Unterstützung durch die AWS. Dabei handelt es sich um eine Garantie, weil der AWS für einen bereits beantragten Kredit haftet. Die maximale Grenze für den Kredit liegt bei 600.000 Euro.

Was hat es mit EU-Förderprogrammen auf sich?

Die EU hält für Selbständige verschiedene Fördermittel vor. Sie sind als direkte Zuschüsse erhältlich, oder sie können in Form einer Finanzierung durch die nationalen Banken beantragt werden. Interessant ist zum Beispiel ein Mikrofinanzierungsprogramm, das einen Kredit von bis zu 25.000 Euro für die Gründung gewährt. Dazu sind bestimmte Voraussetzungen zu erfüllen. Bei der Beantragung ist ein Business Plan vorzulegen. Der Name des Programms ist „Progress“ oder „Progress-Mikrofinanzierung“. Das Programm zielt auf Personen ab, die ihre Arbeitslosigkeit beenden wollen und den Sprung in die Selbständigkeit wagen möchten. Sofern die Förderung gewährt wird, bekommt der Jungunternehmer auch einen Mentor an die Seite gestellt. Er soll ihn in der ersten Phase der Gründung unterstützen, damit der Aufbau seines Unternehmens erfolgreich ist.

Fazit: Gründer sollten sich genau informieren

Es gibt also eine ganze Reihe von Gründerkrediten und Förderprogrammen, die man als angehender Selbständiger nutzen kann. Die Varianten sind vielfältig, deshalb lohnt es sich, genauer zu recherchieren und alle Wege zu betrachten. Die Voraussetzungen für die Teilnahme an Förderprogrammen sind vor allem bei Zuschüssen recht hoch, weil diese zum Teil nicht zurückgezahlt werden müssen. Außerdem kann die Höhe begrenzt sein. Der erste Ansprechpartner für Gründerkredite ist die Hausbank, sie kennt in der Regel die Wege für eine Beantragung. Wer sich sorgfältig Gedanken macht, in welcher Höhe eine Förderung oder ein Kredit erforderlich ist, hat gute Chancen, eine Finanzierung zu finden, die den Start in die Selbständigkeit erheblich erleichtert.

Quellen und weitere Infos:

Kredit für Selbständige – Förderungen und Chancen für Gründer in Österreich
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