Unter einem Privatkredit versteht man einen Kredit von einer Privatperson an eine Privatperson. Diese Form der Finanzierung ist in Österreich und in Deutschland noch relativ neu, in Großbritannien und in den USA gibt es die Alternative zum klassischen Bankkredit schon länger. Was sollten Kreditnehmer wissen, bevor sie einen Privatkredit aufnehmen, und wie findet man einen günstigen Kredit?

Was ist ein Privatkredit?

Wer einen Kredit aufnehmen will, wendet sich normalerweise an eine Bank. Eine wichtige Aufgabe der Filial- und Internetbanken ist die Vergabe von Finanzierungen an solvente Kunden. Damit verdienen die Banken Geld und machen Jahr für Jahr selbst bei niedrigen Zinsen enorme Gewinne. Doch es gibt Fälle, in denen eine Bank nicht finanzieren will. Gleichzeitig gibt es private Anleger, die lukrative Investitionsmöglichkeiten für ihr privates Geld suchen. Ein Privatkredit bringt die Interessen von Kreditsuchenden und Anlegern zusammen. Prinzipiell funktioniert ein Privatkredit wie ein klassischer Bankkredit. Der Kreditnehmer leiht sich von seinem Kreditgeber Geld und zahlt dafür einen Zins. Dieser Zins wird zwischen den Parteien frei vereinbart, sollte aber am Marktzins ausgerichtet sein. Die weiteren Konditionen wie die Rückzahlung und die Besicherung werden zwischen beiden Vertragsparteien frei vereinbart. Die Vermittlung von Privatkrediten wird üblicherweise online durchgeführt. Vor allem in Deutschland gibt es einige Plattformen, die sich darauf spezialisiert haben.

Aus welchen Gründen nimmt man einen Privatkredit auf?

Das wohl wichtigste Argument des Kreditnehmers für die Beantragung eines Privatkredits ist, dass er keine Genehmigung für eine klassische Bankfinanzierung bekommt. Das kann zum Beispiel daran liegen, dass das geplante Projekt zu risikoreich ist oder dass der Kreditnehmer eine schlechte Bonität hat. Prinzipiell eignet sich ein Privatkredit für private Personen, die einen vorübergehenden finanziellen Engpass überbrücken wollen oder die kurzfristig eine größere Summe Geld brauchen, aber auch für gewerbliche Kunden, die ein geschäftliches Projekt finanzieren wollen. Der private Geldgeber erfährt natürlich, wofür sein Geld benötigt wird. Wenn die Kreditvergabe über eine Onlineplattform abgewickelt wird, kann der Privatinvestor sogar aussuchen, in welches Projekt er investieren will. Wenn die Bonität des Kreditnehmers die Vergabe eines Bankkredits nicht zulässt, kann es trotzdem möglich sein, dass ein privater Geldgeber mit einer Finanzierung einspringt. Er hat allerdings das Recht bestimmte Sicherheiten zu verlangen oder als Ausgleich für sein Risiko einen erhöhten Zins zu fordern. Diese Konditionen werden mit dem Kreditnehmer verhandelt, so dass er absolute Transparenz darüber hat, was er für den Kredit zahlen muss. Für die kreditsuchende Privatperson gibt es also gut Gründe, die für einen Privatkredit sprechen. Doch warum ist ein Privatkredit auch für Anleger interessant?

Warum erteilt ein Privatinvestor einen Kredit?

Wenn ein privater Anleger etwas Geld übrig hat, das er investieren will, sucht er meistens eine Kombination aus attraktiven Zinsen und hoher Sicherheit. Angesichts geringer Zinsen für Tages- und Festgelder, schwankungsanfälliger Aktien und riskanter Optionen oder geschlossener Fonds ist es für den privaten Anleger heute kaum noch möglich, ein solches Investment zu finden. Je attraktiver die Zinsen sind, desto höher ist auch das Risiko von Wertschwankungen oder Totalverlusten. Deshalb suchen immer mehr Anleger Alternativen zu den klassischen Investments. Gleichzeitig wird es seit einigen Jahren für viele Kreditnehmer immer schwerer, einen Bankkredit zu bekommen. Das liegt daran, dass viele Banken die Voraussetzungen für eine Kreditgenehmigung erhöht haben. Gerade Kreditnehmer mit einer tendenziell schwachen Bonität müssen heute mit einer Ablehnung ihres Kreditgesuchs rechnen. Vor diesem Hintergrund hat sich der Privatkredit als interessante Alternative für private Anleger und für Kreditsuchende entwickelt. Diese Form der Finanzierung ist zwar in Österreich und in Deutschland noch nicht so häufig zu finden wie in den USA oder in Großbritannien, doch hier dürfte ein erhebliches Potenzial stecken, so dass der Markt sich in den kommenden Jahren sicher noch entwickeln wird.

Wie wird ein Privatkredit vergeben?

In der Praxis haben sich für die Vermittlung von Privatkrediten einige Onlineplattformen entwickelt. Sie stammen im Augenblick noch überwiegend aus Deutschland, können aber auch von österreichischen Bürgern genutzt werden. Die gesamte Abwicklung der Kreditvergabe erfolgt online.

Das muss der Kreditnehmer tun

Wer einen privaten Kredit aufnehmen will, muss sich in der Regel bei einer Plattform registrieren. Nach der Freischaltung des Zugangs stellt der Kreditnehmer sein Kreditgesuch ein. Dabei sollte er alle wichtigen Angaben zu seinem Projekt und zur eigenen Person machen. Diese Angaben sind wichtig für den potenziellen Anleger, denn er entscheidet auf der Basis dieser Informationen, ob er investieren will oder nicht. Bei den meisten Plattformen kann man Bilder hochladen, wenn es sich um eine Investition handelt, die man genauer vorstellen will. Je aussagekräftiger die Vorstellung der geplanten Investition ist, desto besser sind die Chancen, dass man einen zahlungskräftigen Investor findet, der sein Geld für das geplante Projekt bereitstellt. In der Regel finanziert sich ein Projekt nicht nur über eine Person, sondern aus vielen kleineren Beträgen von mehreren Anlegern. Unabhängig davon, ob sich mehrere Investoren beteiligen oder ob lediglich ein Anleger sein Geld investiert, gilt immer, dass die Konditionen zwischen beiden Vertragspartnern recht frei verhandelt werden dürfen.

Wie Anleger einen Kreditnehmer finden

Auch als privater Investor muss man registriert sein, muss sein Geld anzulegen. Für die Registrierung sind nur wenige Angaben erforderlich. Danach hat man auf der Plattform Zugang zu allen Projekten und sucht sich aus, woran man sich beteiligen will. Der Investor ist dabei frei in seiner Wahl. Das heißt, er kann sich mit mehreren kleinen Beträgen an mehreren Vorhaben beteiligen, er kann aber auch im größeren Stil an einem einzigen Investment teilnehmen. Wenn er mehrere kleine Beiträge anlegt, erzielt er eine Risikostreuung, wie man sie auch vom klassischen Investieren kennt. Die konkreten Konditionen wie den Zins, die Sicherheiten, die Rücklaufzeit und die Höhe der Tilgung sind frei zu vereinbaren. Der Anleger verhandelt so ein individuelles Investment, das genau seinen Vorstellungen entspricht.

Was sollten Kreditnehmer bei schlechter Bonität beachten?

Ein Privatkredit wird häufig für einen Kreditnehmer empfohlen, der Probleme mit seiner Kreditwürdigkeit hat. Das sind üblicherweise Kunden mit einem vergleichsweise geringen Einkommen oder Menschen, die bereits einen negativen Eintrag beim Kreditschutzverband haben. Für solche Kreditnehmer ist es sehr schwer, eine Finanzierung zu vernünftigen Konditionen zu finden. Bei der Verhandlung eines Privatkredits hat diese Klientel mehr Möglichkeiten, die Bedingungen nach Belieben und in ihrem eigenen Interesse festzulegen, sofern der Kreditgeber zustimmt. Für den Kreditnehmer ist es wichtig zu beachten, dass er im Austausch mit dem Kreditgeber ehrlich ist. Nur so schafft man die vertrauensvolle Basis für eine längere Zusammenarbeit. Wer also weiß, dass er aufgrund negativer Eintragungen beim KSV keinen Kredit bekommt, sollte dies einem potenziellen Kreditgeber gegenüber unbedingt ansprechen. Man kann dann im gegenseitigen Einvernehmen eine Absicherung oder auch einen höheren Zins vereinbaren, der dem Kreditgeber als Ausgleich für sein größeres Risiko dient. Wie sich beide Vertragspartner hier einigen, bleibt natürlich ihnen überlassen. Auf jeden Fall ist es bei einer schwierigen Kreditwürdigkeit besser, den Vertragspartner offen zu informieren, um von Anfang an ein Vertrauensverhältnis zu schaffen, das die lange Vertragslaufzeit übersteht.

Wie hoch sind die Zinsen für Privatkredit?

Bevor man den Privatkredit aufnimmt, lohnt sich ein Vergleich der potenziellen Investoren. Prinzipiell gilt, dass die geforderten Zinsen etwa vergleichbar sein sollten mit den allgemeinen Marktkonditionen. Es sollte nicht sein, dass ein Privatkunde einen erheblich höheren Zins zu zahlen hat, selbst wenn seine Bonität zu wünschen übrig lässt. Letztlich hat auch der Anleger ein Interesse daran, einen marktgerechten Zins zu fordern, der von dem Kreditnehmer zuverlässig gezahlt werden kann. Aus diesem Grund lohnt sich ein Vergleich der einzelnen Investoren und der von ihnen geforderten Zinsen. Wer sich unsicher ist, ob die verlangten Zinsen zu hoch sind, kann die Angebote mit einem klassischen Onlinekreditrechner überprüfen. Die Kosten für einen Privatkredit sollten nur wenig höher sein als die Zinsen für einen herkömmlichen Onlinekredit. Wenn das der Fall ist, kann sich der Kreditnehmer guten Gewissens für den privaten Geldgeber entscheiden und hat immer das Gefühl, dass er sich richtig entschieden hat.

Fazit: Der Privatkredit ist so vielseitig wie ein Ratenkredit

Letztlich ist ein Kredit von einer Privatperson genauso empfehlenswert wie eine Finanzierung von einer Geschäftsbank. Sofern man die Zinsen und alle anderen Konditionen vergleicht, bietet ein Privatkredit sogar die größere Flexibilität, weil die Bedingungen im Einzelnen verhandelt werden können. Diese Freiheit hat man in der Verhandlung mit einer Bank in der Regel nicht. Deshalb bietet sich ein Privatkredit für jedes Projekt und für jeden Kreditnehmer an, für den eine Bankfinanzierung nicht möglich wäre oder zu teuer wäre. Wichtig ist lediglich, dass man sich für einen seriösen Anleger entscheidet. Lässt man den Kredit über eine der bekannten Onlineplattformen vermitteln, dürften die Anleger schon bei der Registrierung so sorgfältig analysiert werden, dass man als Kreditnehmer keine Angst haben muss, an einen wenig empfehlenswerten Anleger zu geraten.

Quellen und weitere Infos:

https://www.kredit.or.at/der-privatkredit-geld-von-und-fuer-eine-privatperson/

http://www.geldmarie.at/kredite/privatkredit.html

Der Privatkredit: Was macht ihn aus, und wo bekommt man ihn?
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